[2polar] – Ulrich Ptak
Franz Meillers Fotografien besitzen eine Eigenschaft, die man als visuelle Musikalität bezeichnen könnte. Sie haben Rhythmus, Tempo und Pausen.
In der Dresdner Ausstellung [2polar] wird das besonders deutlich: Jedes Bild hat seine eigene Taktung, seinen eigenen Atemrhythmus. Man kann die Bilder nicht im Vorübergehen betrachten, sie zwingen den Betrachter zum Innehalten.
Die Polarität, die der Titel suggeriert, ist nicht die Polarität von Schwarz und Weiß, von Gut und Böse. Es ist die Polarität des Wahrnehmens selbst: das Pendeln zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir zu sehen glauben.
Meillers Bilder operieren in diesem Zwischenfeld. Sie sind zugleich dokumentarisch und poetisch, zugleich real und surreal. Die Stadt – ob Dresden, Brandenburg oder München – wird in seinen Arbeiten zu einem Resonanzraum der Wahrnehmung.
Was Meiller dabei gelingt, ist die Transformation des Alltäglichen ins Bedeutsame, ohne dem Alltäglichen seine Beiläufigkeit zu nehmen. Die Bilder bleiben leise, auch wenn sie laut sein könnten.
Ulrich Ptak, Einführungsrede zur Ausstellung [2polar], Dresden 2016
Ulrich Ptak