FM
Essay von Christian Kneisel

watching the world walk by in its curious shoes

„Laufen als Selbstzweck kennen wir nicht. Bei uns ist Laufen immer ein Mittel, um irgendwo hinzukommen.“ Jeder, der nach Asien reist, kennt diesen Satz, weil er die Wahrheit enthält. Die Wahrheit über uns, die Europäer, die nicht verstehen, warum Menschen einfach in der Gegend rumlaufen.

Franz Meiller läuft. Und er ist dort, wo er hinmöchte: mitten in der Fotografie. In der, die ohne Regeln auskommt. In der, die nicht danebengreift.

Seine Bilder sind Momentaufnahmen – allerdings nicht von dem, was vor seiner Kamera geschieht, sondern von dem, was in seinem Kopf passiert. Die Kamera ist dabei nicht viel mehr als ein Werkzeug, ein Stift, mit dem er seine Notizen macht.

Meiller spricht nicht von „Streetphotography“. Das Wort ist ihm zu eng, zu programmatisch, zu genrebehaftet. Und trotzdem ist das, was er tut, die radikalste Form davon: ein Gespräch zwischen Auge und Wirklichkeit, ohne Filter, ohne Plan, ohne Netz.

Die großformatigen Arbeiten in der Galerie Michael Schultz – Bilder aus Ho Chi Minh, New York City, Cebu City und der Art Basel – sind keine Reiseberichte. Sie sind Begegnungen. Begegnungen mit Licht, Textur, Bewegung und dem ständigen Staunen darüber, dass die Welt, wenn man sie zu Fuß durchquert, mit jedem Schritt eine neue wird.

Christian Kneisel, 2017

Christian Kneisel