Wirtschaft – Das IHK-Magazin für München und Oberbayern

Kunst und Kipper

31. Jan. 2017
Kunst und Kipper
Extrahierter Artikeltext

Stolz präsentiert Franz X. Meiller zwei schmale Blechdosen in Gelb und Schwarz, den Farben des gleichnamigen Familienunternehmens. „Energy zum Kippen“ und „Spritziges zum Kippen“ steht neben dem Logo des Nutzfahrzeugspezialisten darauf. Mit den Energydrinks will der 55-Jährige eine junge Zielgruppe erreichen und Azubis gewinnen. Denn die Konkurrenz vor Ort ist stark. „Wir müssen uns anstrengen, immer zeitgemäß, attraktiv und sympathisch zu bleiben“, sagt Meiller zu seinem Einfall für den neuen Merchandisingartikel des Unternehmens, das sogar einen eigenen Fanshop betreibt.

Den Werbespot dazu hat er selbst gedreht – mit Szenen in einer Bar und dem Slogan „Gib mir was zum Kippen“. Ein Aufruf mit doppelter Bedeutung, schließlich stellt die F. X. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co. KG den weltweit berühmten Meiller-Kipper her. Wenn Meiller den kreativen und den unternehmerischen Bereich zusammenführen kann, ist er in seinem Element: „Das gibt spannende Synergieeffekte“, sagt er.

Schon als Bub habe ihn das Theater fasziniert, „eine Riesenpassion“, die ihn nicht mehr loslassen sollte. Er spielte auf Laienbühnen und im Residenztheater, studierte jedoch Betriebswirtschaftslehre, denn der Vater sah in ihm seinen Nachfolger an der Firmenspitze. Das 1850 gegründete Unternehmen ist bei Kipplastern europäischer Marktführer und setzt in diesem Jahr mit 1660 Mitarbeitern etwa 229 Millionen Euro um.

Meiller fühlt sich dem traditionsreichen Familienunternehmen stark verbunden. „Das sind meine Wurzeln“, sagt er. „Schließlich habe ich ein Unternehmergen und kann eine Firma mitführen“, betont der Gesellschafter und Erbe in der fünften Generation, der für jeden „erst mal der personifizierte Kipper“ ist, wie er sagt. Und dennoch spielt das Familienunternehmen nicht die alleinige Hauptrolle in seinem Berufsleben.

Nach einigen Jahren als Marketing- und Vertriebsleiter kamen ihm erste Zweifel: Ergibt das auf Dauer Sinn? Liegen nicht seine künstlerischen Talente brach? Halte ich das überhaupt durch? „Innere Not und Sehnsucht bewirkten den Umschwung“, erzählt der Unternehmer, der sich doch auch als Künstler sieht. Nach einer Auszeit habe er sich endlich zugestanden, worum er Jahre gerungen hatte. „Ich bin und brauche beides und muss mich nicht für eine Seite entscheiden.“ Seine Familie baute keinen Druck auf und ließ ihn gewähren. So konnte er zu einer „perfekten Balance“ zwischen Unternehmertum und Künstlerdasein finden.

Meiller ist heute Unternehmer, Marketingleiter, Produzent und Fotograf in einer Person. Er gründete die Zuckerfilm GmbH und machte sich in der Theater-, Reise- und Kunstfotografie einen Namen. Er produziert Filme und Theaterstücke und spielt ab und an auch selbst mit. Mit den Verkaufserlösen seiner Ausstellungen finanziert er die Franz Meiller Stiftung zur Förderung junger Künstler.

Auch der Familienbetrieb profitiert von seiner kreativen Ader. So modernisierte Meiller die Marke so erfolgreich, dass das Unternehmen schon zum zwölften Mal in Folge den Deutschen Markenpreis für Kippaufbauten gewann. Der umgängliche Mann trägt mit seinem vierköpfigen Team maßgeblich dazu bei, dass die Unternehmenskultur als innovativ und spannend wahrgenommen wird. „Vor allem die jungen Leute spiegeln mir, wie cool es hier ist“, registriert der Marketingchef zufrieden.

Drei Tage pro Woche verbringt Meiller im Büro und steht außerdem für repräsentative Aufgaben bereit. Das operative Geschäft regeln zwei Geschäftsführer. Sein Cousin und Mitgesellschafter Robert sowie sein Neffe Florian Meyer arbeiten ebenfalls in verantwortlichen Positionen im Unternehmen. So gelingt es Meiller, Zeit zu finden, um Fotoausstellungen durchzuführen, Kunstprojekte zu realisieren oder an neuen Filmproduktionen zu arbeiten.

Weil er „mit einer langfristigen Investition für die nächsten Generationen vorsorgen und dabei aktiv mitgestalten will“, nimmt er sich gemeinsam mit seinem Cousin als Geschäftsführer der F. X. Meiller Gelände GmbH & Co. KG voller Energie eines dritten Standbeins an: des Immobiliengeschäfts. Auf dem Firmengelände in München-Moosach erfolgte im September 2016 der Spatenstich für die Meiller-Gärten, ein neues Wohn- und Gewerbegebiet, das auf einem nicht betriebsnotwendigen Areal entsteht.

Meiller schlägt einen für Privatinvestoren ungewöhnlichen Weg ein: Er baut in großem Stil Mietwohnungen, die auf Dauer im Bestand der Eigentümer bleiben sollen. Mit dem ambitionierten 300-Millionen-Euro-Bauprojekt stellt sich Meiller auch seiner sozialen und kulturellen Verantwortung. Ein Teil der Wohnungen ist für Firmenmitarbeiter vorgesehen. Acht Kindergruppen sowie kulturelle Angebote sind geplant. „Das passt zu einem Familienunternehmen, zieht aber auch Fachkräfte an“, ist Meillers Fazit. Wie er es schaffe, alle Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen? „Ich habe ein großartiges Team und bin gut organisiert“, meint der Manager und lacht.